Führen und geführt werden

Luis kennt am Großglockner jeden Stein und jede Wetterlage. Denn der 57-Jährige ist in den Bergen daheim: Im Winter ist er mit Schigruppen am Arlberg unterwegs, im Sommer begleitet er als Bergführer unzählige Menschen auf den höchsten Berg Österreichs. „Links oben ist ein guter Griff“, ruft er zu und sichert mit dem Seil von oben.

Eine Hilfe um auf den Großglockner zu kommen, ist neben guter Kondition ein Bergführer. Er zeigt jenen, die den Berg zum ersten Mal besteigen, den Weg und sichert. Ähnlich ist es im Leben. Auch dort mache ich die Erfahrung des Geführt-werdens. Als Kind und auch als Erwachsener – immer hatte ich Menschen an meiner Seite, die für mich Begleiterin oder Mentor waren. Vor allem in der Rückschau erkenne ich auch die Spuren Gottes in meinem Leben. Die Entscheidung, wem ich folge, nimmt mir niemand ab; die gilt es immer wieder neu zu treffen. Darüber hinaus sind wir alle Bezugsperson und Vorbild für andere: Eltern für ihre Kinder oder eine Teamleiterin für ihre Mitarbeitenden. Das eigene Tun zieht Kreise und hat Einfluss auf andere.

Sommerzeit ist für mich auch Reflexionszeit. In ruhigen Stunden frage ich mich: An welcher Person oder Vision orientiere ich mich? Wem folge ich? In welchen Momenten habe ich die Führung Gottes gespürt? Wenn ich länger darüber nachdenke, merke ich: Der Titel muss eigentlich umgedreht werden. Zuerst kommt immer das Geführt-werden und erst dann mein Führen und Verantwortung übernehmen für andere.

(Peter Rinderer SDB, Foto: Bergführer Luis [links] mit der Zweierseilschaft am Großglockner)

Profess = Profi + Prophet + …

„Ein Salesianer soll Profi sein, und zwar als Zeuge für Gott und als Diener der Menschen“, sagt Pater Josef Grünner bei der ewigen Profess des 33-jährigen Simon Härting im hessischen Sannerz. Die Ewige Profess ist das Versprechen für das ganze Leben, in der Gemeinschaft der Salesianer Don Boscos zu leben und zu arbeiten. In der Predigt versucht der Provinzial Antworten zu finden, was eine Profess in einem Orden überhaupt ist. Seine Vorschläge sind ausgehend vom Wort „Profess“ die verwandten Begriffe „Profi“ und „Prophet“.

Profi ist ein oft verwendeter Begriff in Sport oder Musik und zu einem Modewort geworden. Alle wollen professionell sein und arbeiten. Diese Eigenschaft zeichnet Menschen aus, die in einem bestimmten Bereich überaus gut sind – einerseits durch Talent, andererseits durch viel Übung. Das Profisein eines Salesianers müsse in zweifacher Sicht sichtbar werden: durch glaubwürdiges Bezeugen der Liebe Gottes und durch den Einsatz der eigenen Talente für andere. In der Professformel der Salesianer Don Boscos heißt es: „Ich verpflichte mich, alle meine Kräfte für jene einzusetzen, zu denen Du mich senden wirst, besonders für die ärmere Jugend.“

Auch „Prophet“ sei mit „Profess“ verwandt, so Pater Grünner: Prophet der Einheit in der Gemeinschaft, Prophet der Liebe Gottes unter den Menschen. Er bedankt sich bei Simon für den bisherigen Weg und seinen Dienst im Jugendhilfezentrum in Sannerz, und wünscht ihm Gottes Segen. Überall ist spürbar: Es ist ein besonderer Tag des Dankes und der Freude für den Professen, aber auch für seine Familie, die Mitbrüder und die Freunde. Übrigens: Es gibt auch ein Video zu diesem Fest!

(Peter Rinderer SDB)

Novizen treffen Papst

Eine unvergessliche Begegnung hatten die Novizen der Salesianer aus Italien, Kroatien, Albanien, Malta und Syrien vor wenigen Tagen: Sie begegneten Papst Franziskus in einer Privataudienz. Die Novizen fragten Franziskus über seine eigene Noviziatszeit vor 60 Jahren („Eine ganz andere Zeit!“), was es heute bedeutet nach Heiligkeit zu streben („Es gibt viele unentdeckte Heilige, darunter auch Jugendliche“) und über das Ordensleben.

"Heute herrscht eine Wegwerfkultur", sagt Franziskus den Novizen, „bringt den Jugendlichen bei, den Mitmenschen zu helfen, und lebt ihnen Werte wie Freundschaft oder den Respekt vor den Großeltern vor.“ Nicht wenige Jugendliche und alte Menschen erleben Ausgrenzung, so Papst Franziskus. Er motiviert die zukünftigen Salesianer kreative Wege zu gehen, um Begegnung zu ermöglichen und gegen Ausgrenzungen vorzugehen. Gerade die Salesianer sollen an den sozialen Rändern der Gesellschaft präsent sein. Tausende Jugendliche seien heute ohne Arbeit und Perspektive: „Schickt die Besten dorthin!“

Dieses Hinausgehen erfordert für Papst Franziskus eine tiefe Freundschaft mit Jesus Christus: „Entscheidend ist nicht die Länge der Gebete, sondern ob es ehrlich und vertrauensvoll ist. Auch mit unserer Wut dürfen wir zu Gott kommen.“ Arbeit, Studium, Gebet, Sport und Fröhlichkeit - all das gehört für Papst Franziskus zusammen: „Entscheidend sind nicht Worte, sondern das Zeugnis des Lebens.“

(vaticaninsider/cruxnow/Peter Rinderer SDB; Foto: flickr.com/krakow2016, CC BY-NC-ND 2.0)

Coraggio!

„Los! Du kannst kommen!“, ruft mir der Bergführer zu. Vor mir erhebt sich eine schräge Felsplatte, eine Schlüsselstelle auf der Westroute zur Zimba. Als Kind blickte ich jeden Tag auf die imposanten Felsen dieses Berges. Einmal oben zu stehen, das war mein Traum. Direkt vor der schwierigsten Stelle liegt ein mulmiges Gefühl in meinem Bauch. Doch ich hänge am Sicherungsseil und weiß: Es kann nichts passieren, obwohl es auf der einen Seite hunderte Meter steil nach unten abfällt. „Peter, du schaffst das!“, ruft mir mein Bruder von oben zu.

Vor neun Jahren begann ich in das Noviziat der Salesianer Don Boscos in Pinerolo in Norditalien. In der dynamischen, internationalen Gemeinschaft lebte auch Pater Natale, der 30 Jahre als Missionar in China verbrachte und immer ein gutes Wort für uns 24 Novizen hatte. Bei den Mahlzeiten erzählte er gerne abenteuerliche Geschichten aus seinem Leben und schloss mit einem mutmachenden Wort: „Coraggio!“ – „Nur Mut!“ Im Vorbeigehen rief er uns öfters zu: „Immer vorwärts! Ohne Angst!“

Trotz Unsicherheiten weiterzugehen, ist eine immense Herausforderung, manchmal sogar eine Überforderung. In vielen Situationen erlebe ich, wie wichtig die Seilsicherung ist, die mich festhält. Sie steht als Symbol für das, was mich trägt. Mein Sicherungsseil besteht aus tragenden menschlichen Beziehungen und der Zusage Gottes, dass er mir nah und treu ist. Dieses Vertrauen hilft, vorhandene Ängste wahrzunehmen und zu überwinden.

(Peter Rinderer SDB)

(Lab)oratorium des Friedens

Seit über 170 Jahren ist das Oratorium „Valdocco“ ein zweites Zuhause für viele Kinder und Jugendliche. Es ist das erste Jugendzentrum Don Boscos, mit dem er 1846 begann. Es kommen nicht nur italienische Kinder, sondern auch aus Marokko, Nigeria, China oder Rumänien. „Wir sind nicht nur ein Oratorium, sondern auch ein Laboratorium, und zwar für den Frieden“, erzählt uns Mauro, einer der angestellten Sozialarbeiter, sichtlich stolz. Die Kinder machen hier ihre Hausaufgaben und verbringen ihre Freizeit mit Fußball und anderen Spielen. Um 17 Uhr werden alle Spiele für ein Gebet und einen guten Gedanken unterbrochen.

Ein Oratorium ist ein Lernort für die Kinder und Jugendlichen. Spielerisch lernen sie ein friedliches Miteinander. Einige der Älteren werden Animatoren und übernehmen Verantwortung für die Jüngeren. „Hier können die Erwachsenen wirklich viel lernen“, fügt Mauro hinzu und meint den unkomplizierten Umgang der Kinder untereinander. Ein „Laboratorium des Friedens“ braucht es nicht nur in Turin, sondern überall auf der Welt.

(Peter Rinderer SDB)

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