Führen und geführt werden

Luis kennt am Großglockner jeden Stein und jede Wetterlage. Denn der 57-Jährige ist in den Bergen daheim: Im Winter ist er mit Schigruppen am Arlberg unterwegs, im Sommer begleitet er als Bergführer unzählige Menschen auf den höchsten Berg Österreichs. „Links oben ist ein guter Griff“, ruft er zu und sichert mit dem Seil von oben.

Eine Hilfe um auf den Großglockner zu kommen, ist neben guter Kondition ein Bergführer. Er zeigt jenen, die den Berg zum ersten Mal besteigen, den Weg und sichert. Ähnlich ist es im Leben. Auch dort mache ich die Erfahrung des Geführt-werdens. Als Kind und auch als Erwachsener – immer hatte ich Menschen an meiner Seite, die für mich Begleiterin oder Mentor waren. Vor allem in der Rückschau erkenne ich auch die Spuren Gottes in meinem Leben. Die Entscheidung, wem ich folge, nimmt mir niemand ab; die gilt es immer wieder neu zu treffen. Darüber hinaus sind wir alle Bezugsperson und Vorbild für andere: Eltern für ihre Kinder oder eine Teamleiterin für ihre Mitarbeitenden. Das eigene Tun zieht Kreise und hat Einfluss auf andere.

Sommerzeit ist für mich auch Reflexionszeit. In ruhigen Stunden frage ich mich: An welcher Person oder Vision orientiere ich mich? Wem folge ich? In welchen Momenten habe ich die Führung Gottes gespürt? Wenn ich länger darüber nachdenke, merke ich: Der Titel muss eigentlich umgedreht werden. Zuerst kommt immer das Geführt-werden und erst dann mein Führen und Verantwortung übernehmen für andere.

(Peter Rinderer SDB, Foto: Bergführer Luis [links] mit der Zweierseilschaft am Großglockner)

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